Lift09, der dritte Tag
2. März 2009
Und hier die Zusammenfassung des 3 (und damit leider letzten) Tags der Lift 2009.
Eröffnet hat den Tag Matt Webb. Sein Vortrag ging von “Storytelling Grundlagen” über “Erzählen von einer möglichen Zukunft” zu “Mache diese Zukunft realistisch”. Es war ein interessanter Auftakt des 2. Tages mit vielen Pointern und Referenzen zu Personen und Büchern, die Lust zum nachschlagen machen. Sehr inspirierend.
Der nächste Vortrag von Jörg Jelden handelte von Fakes. Mir persönlich hat der Vortrag nicht besonders gefallen, aber hauptsächlich deswegen, weil ich mir etwas anderes unter dem Thema vorgestellt hatte. Statt um die Liberalisierung der Marken durch Remixes und Crossovers ging es ganz klassisch um Produktpiraterie.
Der anschließende Vortrag von James Gillies ging um die Geschichte des Web. James schrieb das entsprechende Buch und hat als Mitarbeiter des CERN mit den beteiligten Personen zusammen gearbeitet oder später im Laufe der Zeit kennen gelernt. Ein faszinierender Vortrag, der die Geschichte von vielen, vielen faszinierenden Personen vorstellt.
Als letzte Rednerin vor der Pause stellte Natalie Jeremijenko das Konzept der “Environmental Clinic” vor. Kleine und große Projekte rund um Umwelt, Krankheiten, Energie und letztendlich auch Verantwortung. Die Idee eines Krankenhauses für die Umwelt finde ich zumindest sehr charmant. Die Ideen mögen verrückt sein, aber sie funktionieren als Medium, um Leute aufzurütteln und zu informieren.
In der Pause traf ich mich mit Mark und prompt stellten wir fest, dass wir uns schon heute Morgen im Hostel über den Weg gelaufen sind.Das Hostel scheint von Liftern nur so zu wimmeln.
Der erste Vortrag nach der Pause war von Fabio Sergio. Er vertrat die Ansicht, dass Designer in die Welt eintauchen müssen, für die sie designen wollen. Dieses Eintauchen führt zu Einfühlungsvermögen und zu Verständnis für die Zielgruppe. Diese Vorgänge betrachtete er anhand des Beispiels für AIDS-Aufklärung in Afrika.
James Auger erzählte mehr über kreative Prozesse. Zunächst ging es “nur” um merkwürdige Objekte und Experimente, aber in der letzten Hälfte ging es um “Carnivorous Domestic Entertainment Robots“. Ich kann mich nicht entscheiden, ob die Dinger abstoßend sind oder ein Must-Have in jedem Geek-Haushalt.
Der Vortrag von Anab Jain ging um “Learning and playing with tomorrow”. Sie versucht durch Geschichten einer potentielle Zukunft das “Eintauchen” zu erreichen, über das Fabio Sergio vorher gesprochen hatte. Dazu bereitete sie einige Charaktere in einer fiktiven Stadt mit eigenen User Stories vor. Schließlich setzte sie sich mit der Frage auseinander, wie man “biologische Lebendigkeit” in Objekte einbauen kann. Beispielsweise stellte sie Gegenstände vor, die durch biologische Komponenten eine begrenzte Lebensspanne haben.
Der erste Open Stage-Vortrag des Tages war mit Fabian Kalker und Felix Koch – “Who has no knife may not eat pineapples: an off-topic tour d’horizon on the literacy of cutting”. Großartiger Titel, Off-Topic-Thema, was kann das schon schiefgehen? Außerdem sind beides nette Jungs, denen man ihre Leidenschaft für Messer wirklich anmerkt. Was gibt es besseres, als einen Vortrag über seine Leidenschaft zu halten?
Als zweiter Open Stage-Vortrag sprach Bill Thompson zu “The Death of Privacy and Why We Should Welcome It”. Der Vortrag war quasi die Anti-These zu Olivier Glasseys Vortrag am Tag zuvor. Beide hatten interessante Punkte und es machte Spaß mit beiden in der Pause ein paar Worte zu wechseln.
Auch am 3. Tag der Lift war das Essen wieder lecker. Am Tisch mit Mark, Maarten (von ZScapes) und Bruce Sterlingmacht aber wohl jedes Essen Spaß.
Danach ging es weiter mit Baba Wamé über das soziale Internet in Kamerun. Der Vortrag war sehr unterhaltsam und ging auf die Veränderungen von sozialem Verhalten, Ritualen und Partnerschaften durch das Internet ein.
Das Thema von Frank Beau waren “Metromantics”: romantische Begegnungen in der U-Bahn und deren Geschichten. Die Betrachtung von Orten, in denen sich Menschen zwangsweise physisch sehr Nahe sind, fand ich unheimlich spannend. Dazu kommen Rituale zwischen Personen, deren Pfad sich jeden Tag durch einen ähnlichen Tagesrythmus überschneidet und die so eine Art soziales Netzwerk bilden. Bis hin zu der Frage, wie sich solche Orte und deren spontanen Netzwerke psychisch auswirken und nachhaltig sind. Ein großartiger Vortrag, der leider im Moment nicht als Video zur Verfügung steht.
Als Open Stage-Vortrag stellte Daniel Kaplan danach eine interessante Studie vor: ”Sociogeek: How do you expose yourself online? How do you choose your online friends? Another kind of online survey”.
Nach der kurzen Pause erzählte Melanie Rieback über die Sicherheit – oder vielmehr deren eklatante Mangel – bei RFID.Das Publikum war verdächtig still bei dem Vortrag. Ich persönlich denke, diese leicht verrückt wirkende Frau, die vor sich hin kichernd über das Knacken von Pässen, Bezahlsystemen und Katzen redete, jagte jedem ein bischen Angst ein. Aber interessant war es allemal.
Clive van Heerden von Philips Design stelle einige interessante Konzepte und Studien aus den Philips Labs vor. Wer, wie ich, Philips als Hersteller von doch eher langweiligen Fernsehern und Haushaltsgeräten im Kopf hat, der sollte das sehr schnell vergessen. Was hier gezeigt wurde, war eine andere Liga. Fast schon Star Trek, um genau zu sein.
Und schließlich: Vinton Cerf, der Vater des Internet. Mit Witz und Charme erzählte er dem Publikum mit der Erzählstimme eines Großvaters, wo sich das Internet aktuell befindet und wo es in Zukunft mit ihm hingehen soll. Und wir alle im Publikum fühlten uns wieder wie 12, die mit großen Augen zuhören und auch einmal so werden wollen, wie er. Ein sehr inspirierender Vortrag mit einer interessanten Frage- und Antwortrunde am Schluss.
Danach: Feiern, Baby! Noch einmal viel Unterhaltung, tolle Leute, anständige Musik (allerdings mies gemixt), Tanz und gute Laune.
Un das war’s dann. Die Lift09 – eine großartige Konferenz mit tollen und inspirierenden Vorträgen. Mit netten, offenen, interessanten und interessierten Teilnehmern und Rednern. Und mit einer absolut fantastischen Organisation.Vielen Dank Laurent und an das ganze Team.

Kommentar schreiben