Lift09, der zweite Tag
2. März 2009
Hier die vollständige Zusammenfassung des zweiten Tags der Lift-Konferenz.
Den Anfang machte Patrick J. Gyger mit einem eher abstraktem Talk über die Zukunft und wo diese geblieben ist. Dennoch war eine seiner Aussagen eine, die sich über den Tag hinweg recht oft wiederholen sollte: Selbst Sci-Fi Objekte, von denen jeder träumt, sind manchmal in der Realität einfach nicht erforderlich und keiner würde sie kaufen. Folglich eben keine intelligenten Kühlschränke, fliegenden Autos etc.
Ein schöner erster Talk. Sehr inspirierend mit einigen noch interessanteren Fragen und kontroversen Aussagen. Sind wir zufrieden genug, um eine höhere Form von Utopia zu verfolgen?
Der zweite Talk war von Nicolas Nova, was mal ein absolut großartiger Name ist, um über die Zukunft zu reden. Auch er kam auf die üblichen “Zukunftsvisionen” vergangener Zeiten zu sprechen. Sein Kritikpunkt an einigen war jedoch, dass die Automatisierung von Ritualen immer problematisch ist. Sein Beispiel war der automatische Kühlschrank, bei dem ich irgendwie noch nie verstanden habe, welche Probleme dieser lösen soll.
Dennoch hielt er es für interessant sich mit gescheiterten Zukunfts-Experimenten auseinanderzusetzen. Mit seinen Worten: “Failures may be weak signals by a possible future” – nutze gescheiterte Experimente als Designstrategie.
Die anschließende Pause verbrachte ich mit einem Stadtvertreter der Stadt Genf, der seinerseits mit der Einführung von eGovernment in Genf betraut ist. Es war schön wilde Ideen über zukünftige Interaktionen mit dem Staat in den Raum zu werfen und mit jemandem durchzusprechen, der mit den tatsächlichen sozialen, rechtlichen und bürokratischen Problemen tagtäglich zu tun hat.
Talk 3 war ein sehr praktischer Vortrag von David Rose über ambiete Objekte. Die Idee magische Gegenstände aus dem Harry Potter-Universum oder dem Herr der Ringe als Vorlage zu nutzen ist merkwürdig, aber bei zweiter Betrachtung naheliegend. Die Frage bleibt: warum benutzen diese fiktiven Personen die magischen Gegenstände und was bringen sie ihnen? Und in einem zweiten Schritt kann man sich daran machen die Magie durch Technologie zu ersetzen.
Ebenso einfach wie großartig war seine Aussage: “Tools should inform you, when they need to be used”
Der anschließende Vortrag von Soh Yeong Roh ging in eine völlig andere Richtung: “Kunst und Spiritualität als scheinendes Licht der Kreativität”. Ein Vortrag, der einen sehr zum runterschalten und reflektieren animierte.
Danach standen vor der Pause 2 Open Stage-Vorräge auf dem Programm: kurze, auf 5 Minuten begrenzte Vorträge.
Der erste war von Clément Charles – “Innovation vs. product lifecycle: must innovation always be doomed by product’s lifecycle?”. Ein sehr hektischer und aggressiver Vortrag. Er spannte eine Brücke von: “Die Leute werden dein Produkt nicht kaufen, nur weil es Hip ist, solange es keins ihrer Bedürfnisse befriedigt” bis zu “Kleine, spezialisierte Dienstleister sind besser als Full-Service-Dienstleister”. Auf mich wirkte der Vortrag eher wie ein Pitch für “die armen, kleinen Underdog-Agenturen”. Aber das kann auch persönlich geprägt sein.
Besser fand ich den zweiten Kurzvortrag von Lee Bryant – “The Twentieth Century was wrong”. Lee führte uns von der Massenproduktion zur Produktion durch die Masse. Und die Masse ist der Fehler, der gemacht wurde. Etwas nicht ganz greifbares, großes, dass es zu kontrollieren gilt, etwas unpersönliches. Die Antwort von Lee Bryant sind Social Networks. Nicht nur im Sinne der “Web2.0 Networks”, sondern allgemein als Ansammlung von Personen: Gilden, Vereine etc. die sich anscheinend besser organisieren, als eine Institution eine Masse. Aussage: vergessen wir das Konzept “Masse” und betrachten wir uns wieder als Menschen, die in einem Netzwerk zusammenleben.
Tolle 5 Minuten, definitiv.
Nach dem (ziemlich guten) Mittagessen ging es weiter mit Ramesh Srinivasan. Es ging um Kommunikation zwischen kulturell unterschiedlichen Gruppen und die Adaption von Technologien durch unterschiedliche Kulturen und sozialen Gruppen.
Außerdem untersuchte er in technologisch unterentwickelte Gebiete moderne Technologien einfüht und deren Auswirkungen auf die Bevölkerung untersucht. Es ist faszinierend, wie schnell sich ein Netzwerk von Menschen entwickelt, wenn man ihnen die Werkzeuge gibt, ihre Geschichten festzuhalten und weiterzugeben. Und noch interessanter, dass sich so schnell verantwortungsbewusste Komunen daraus entwickeln, die sich auf Probleme aufmerksam machen und Lösungen überdenken und einfordern.
Die Nächste war Juliana Rotich, die über Suchen und Finden von Stimmen im globalen Stimmengewirr erzählt hat. Sie sprach über GlobalVoices, Ushahidi und andere kollaborative Projekte, die das Stimmengwirr abseits der englischen Sprache fokussieren. In solchen Talks zeigt sich der wirkliche soziale Einschlag von elektronisch unterstützten Netzwerken in sozialen Umfeldern.
Als nächstes hielt Olivier Glassey einen Open Stage-Vortrag: “Is there such a thing as Government 2.0?”. Er vertrat die Ansicht, dass eGovernment sich nicht wirklich mit Web2.0-Strömungen verbinden lassen: “Most Web2.0 or Enterprise 2.0 methods do not apply for an eGovernment due to personal privacy”.
Nach der Pause ging es mit dem Vortrag von Carlo Ratti über Interaction Design zwischen Menschen und Städten weiter. Er zeigte schöne Beispiele aus Rom, Venedig und Florenz, Eins davon war die Auswertung der Meta-Daten von Flickr-Bildern, um den Pfad von Touristen nachzuvollziehen. Oder die Untersuchung von der Position von Fußgängern, anhand der Mobilfunkdaten, um aktuelle Hotspots zu finden. In dem Zusammenhang sein Vorschlag: wie wäre es mit öffentlichen Verkehrsmitteln, die dynamisch zu den Hubs kommen?
Dan Hill betrat danach die Bühne und zog jeden sofort mit der Geschichte seiner verzögerten Reise von Australien zur Lift in den Bann. Seine Ausführungen über Soft und Hard Infrastructure waren eingängig und anhand seiner Geschichte sofort verständlich.
Anschließend stellte er seinerseits die Frage: Was ist mit der “Zukunft von damals” eigentlich passiert? Seine Antwort: “People happend to the future, not Technology”. Er fuhr fort über Städte und deren Entwicklung zu reden. Die Gedanken, Projekte und Beispiele waren einfach atemberaubend und die Geschwindigkeit, mit denen sie uns Dann Hill um die Ohren gehauen hat ließ uns auch keine wirkliche Zeit zum luftholen.
Anne Galloway setzte sich anschließend mit der Frage auseinander: Was kommt als nächstes? Was sind Erwartungen, Versprechen und Hoffnungen? Um das zu erkunden stellte sie eine interessante Frage: “Wie würdet ihr eine Stadt entfernen, die ein Geschenk werden soll?” Und von da aus “Welche Stadt wollt ihr den Leuten geben und was hättet ihr gerne, dass die Bewohner dann aus ihr machen?” Großartige Fragen hervorragend präsentiert.
Ich muss zugeben, bei dem nachfolgenden Vortrag von Pascual Oriol von Enviu’s Innovation Lab vermutete ich eine handvoll Eigenwerbung. Statt dessen kam eine Aufforderung an alle alte Konzepte und Ansichten über Energie herauszufordern. Dazu gab es einige beeindruckende Beispiele: Projekte, um thailändische TukTuks umweltfreundlicher und energieeffizienter zu machen, energieerzeugende Tanzflächen und so weiter.
Der letzte Vortrag des Tages vonSarah Marquis brachte alle wieder herunter. Weg von Technologie und der Zukunft hin zu einer sehr persönlichen Geschichte und Reise.
Danach ging es auf zum Fondue: ein enstpannender Abend, an dem man bei großartigem Essen andere Leute und deren Geschichten und Ansichten kennen lernen konnte. Mir hat der Abend unheimlich viel Spaß gemacht – locker lassen und gemeinsam mit alten und neuen Bekannten den Tag reflektieren und sich austauschen.
Auf dem Weg nach Hause traf ich dann Holm Friebe. Ihr wisst schon, es gab da dieses Buch, auf das wir dann auch zu sprechen kamen. Interessanterweise teilte er meine Meinung (zumindest die Zusammenfassung der Solchen) über einige Kritikpunkte, aber ich erkenne um so mehr an, dass ich wohl einfach nicht Zielgruppe war. Es wäre interessant das Buch auf in Social Commerce und Web2.0 unbedarfte loszulassen und deren Reaktion zu sehen.
So, das war, in Kürze, der 2. Tag der Lift.

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