Social Networks als MMOs
18. April 2010
Wow! Ich propagiere zwar immer, dass man Soziale Netzwerke eher wie Spiele sehen sollte, aber was Stevinho in seinem Artikel über Facebook schreibt, ist absolut großartig. Er schreibt über die Möglichkeiten von Facebook:
Ich sehe folgende Features:
- Freunde sammeln, mit denen man noch nie vorher etwas zu tun hatte.
- Lustige Aufbau-Spiele zocken.
- Erfolge, die man in diesen und anderen Spielen feiern konnte, auf sein Profil übertragen.
- Irgendwelchen dämlichen (und sinnlosen) Interessengruppen betreten.
Er beschreibt damit die Spielmechaniken, wie ein Gamer sie sieht. Natürlich geht es in erster Linie darum, sich bei Facebook mit “echten Freunden aus seinem sozialen Umfeld” zu verbinden. Aber wenn die Anzahl der Freunde eines der wenigen offensichtlichen “Punktesysteme” von Facebook darstellt, dann ist es natürlich wesentlich effektiver irgendwelche Fremden einzuladen, um den Punktestand in die Höhe zu treiben.
Analog dazu verfügt Facebook über kein globales Achievement- oder Ranking-System, also ist die einzige Möglichkeit für einen Gamer seine Erfolge sichtbar zu machen seine Timeline. Folglich ist es für einen Gamer absolut sinnvoll jeden Erfolg auf sein Profil zu übernehmen.
Er schreibt weiter:
Ich finde das ganze Facebook-System extrem unproduktiv und eigentlich nur zum Zeit-totschlagen geeignet. Versteht mich nicht falsch, WoW zocken ist auch nicht gerade produktiv, aber am Ende des Tages weiß man irgendwie, was man erreicht hat, während man in Facebook irgendwie nur “rumhängt” und Freunde zwickt
Großartig – sein Kritikpunkt ist das mangelnde Feedback von Facebook, ob und wie man die Plattform korrekt benutzt.
Wie Eingangs schon erwähnt bin ich der Meinung, dass Facebook ein MMO ist. In Bartle-Typen gesprochen ist Facebook ein Spiel für Socializer (denen es um Kommunikation und Netzwerken geht), Killer (deren Ziel die Socializer sind) und Explorer (die sich für die Plattform selbst interessieren). Achievern hingegen kommt Facebook wie ein langweiliges Spiel, ohne Ziele und damit auch ohne Erfolge vor. Eben genau so, wie Stevinho es beschreibt.
Also stellen sich zwei Fragen:
“Wieso wird Facebook (bzw. alle Social Networks) von Gamern instinktiv als Spiel gesehen?” Ist das nur das Hammer-Nagel-Syndrom?
“Wie kann man Facebook (bzw. alle Social Networks) dazu bekommen, klarere Ziele vorzugeben und deren Erfüllung zu kommunizieren?“

21. April 2010 um 09:36
XING zum Beispiel hat da einen schönen Aktivitätsbalken.
Abgesehen davon kann man anhand der Spieletheorie so ziemlich jede (soziale) Interaktion herleiten, oder?
Und drei von vier ist doch eine super Quote
21. April 2010 um 10:15
Ja, der Aktivitätsbalken ist auch einer meiner Lieblinge.
Und obwohl 3 von 4 nach einer tollen Quote aussieht will man eine Gruppe (Killer) davon nicht haben und eine andere (Explorer) interessiert Facebook nicht wirklich. Mehr Achiever hingegen wären eine aktive Gruppe mehr (die Games und Ads konsumieren), würden mehr Socializer anziehen und so weiter. Also schon eher eine relevante Gruppe.
21. April 2010 um 15:30
Wer sagt denn, dass die Killer unerwünscht wären? Würde sogar behaupten, dass die Kombination S+K wesentlich zum erfolg jeder Plattform beiträgt, deren Hauptzweck (bzw. Hauptwährung) Kommunikation ist.
30. April 2010 um 20:43
“…ist Facebook ein Spiel…”
Also ich bin etwas ‘hinterwelterisch’ und auf keinem dieser ‘Social Networks’ bzw. Spiele ??? angemeldet. Der Instinkt sagt Vorsicht !!!! “…Mit einem Handyfoto User identifizieren..” Dirk, meiner Meinung nach ist der Blickwinkel auf diese hochkommerziellen und vielleicht auch gefährlichen Netzwerke hier im Blog sehr eingeschränkt und reduziert auf den Spielkontext etwas zu flach.
1. Mai 2010 um 08:44
Im Gegensatz zu dem Zeitalter3 Blog geht es hier weniger um Spiele per se, sondern (im weitesten Sinne) um Communities, User Experience und neue Konzepte.
Ich beurteile niemand anhand der Tatsache, dass er in einem Social Network angemeldet ist oder nicht. Ich denke aber, dass sich Menschen nun einmal in Netzwerk (bzw. in mehreren Netzwerken parallel) organisieren. Ob diese nun “Social Networks”, “Payback Punkte”, “Studentenverbindungen” oder “Fußballvereine” sind ist eigentlich egal. Online-Netzwerke spielen nur eine entsprechend große Rolle, weil sie den Verwaltungsaufwand für die Organisation der Netzwerke (für den Nutzer) weitgehend automatisieren.
Darüber hinaus bin ich der Meinung, dass uns diese Social Networks als Gesellschaft voran bringen werden. Jesse Schell beschreibt das in seinem DICE 2010 Talk: “Design outside the Box” wesentlich besser, als ich das hier in einem Kommentar könne.
Mag sein, dass dies etwas naiv gedacht ist, aber ich muss wohl daran glauben, da ich das immerhin beruflich mache. Und ich würde gerne glauben, dass wir Dinge erschaffen, die uns voranbringen und darauf kann ich hinarbeiten.