Auf dem Webmontag Frankfurt durfte ich Anfang der Woche einen Vortrag halten mit dem Titel: “Von Print zu Digital: Realität, Trends und wilde Fantasien”. Da meine Präsentation diesmal nur einer Reihe von bunten Stimmungsbildern bestand, werde ich sie nicht auf Slideshare hochladen. Statt dessen gibt es diesen Artikel, um den Inhalt festzuhalten.

Von Print zu Digital

Jeder Verleger sollte sich einmal am Tag hinsetzen, beten und Steve Jobs dafür danken, dass er mit diesem Gerät die Verlagsindustrie rettet.” Dies sagte Anfang April Axel Springers Vorstandschef Mathias Döpfner in der Talkshow von Charlie Rose. Wie kommt Herr Döpfner zu diesem Ausspruch?

Die Erklärung findet sich beispielsweise in einem Beitrag der ARD Tagesschau, die folgendes über die Situation von Zeitungsverlagen 2009 schreibt:

  • “Zwischen Januar und Mai brach das Anzeigenvolumen im Vergleich zum Vorjahr um 12,4 Prozent ein. Mit einem Minus von 41,1 Prozent fiel das Minus bei den Stellenanzeigen am drastischsten aus.”
  • “Die Gesamtauflage der Zeitungen ging erneut zurück. Sie lag im ersten Quartal mit rund 25,4 Millionen Exemplaren 2,1 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor. Der stärkste Rückgang traf die Boulevardzeitungen mit einem Minus von rund 5,3 Prozent.”
  • “Gegen den Trend verbuchten die Wochenzeitungen sogar ein Plus von 1,5 Prozent.”
  • “Auch die Online-Angebote der Verlage verzeichneten laut BDZV Zuwachsraten. 17,3 Millionen Internet-Nutzer in Deutschland besuchen demnach regelmäßig Webseiten von Zeitungen. Ein Jahr zuvor waren es den Angaben zufolge noch 15,5 Millionen.”

Im Augenblick beobachten also insbesondere Verlage von Tageszeitungen eine Bewegung in Richtung Online. Das ist wenig verwunderlich, denn das Web ist auf Grund seiner Natur im Bereich Nachrichten immer schneller und aktueller als jede Tageszeitung. Das Argument der mangelnden Authentizität von Nachrichten im Internet greift nicht wirklich, denn auch “traditionelle” Redaktionen können ihre Artikel direkt nach Fertigstellung online stellen, anstatt bis zum Druck einer Zeitung “liegen und altern” zu lassen. Wenn Aktualität tatsächlich das höchste Gut einer Tageszeitung sein sollte, dann ist es kein Wunder, dass diese in Schwierigkeiten sind.

Reflektierte Nachrichten hingegen scheinen nach wie vor noch zu funktionieren. Wenn jemand eine Woche Nachrichten zu einem Thema sammelt, anschließend zusammenfasst, kommentiert oder interpretiert, dann ist es egal, ob dieser Artikel im Web oder in einer Wochenzeitung veröffentlicht wird. Es besteht kein Zeitdruck mehr. Gleiches gilt für recherchierte Themen. Entsprechend geht es Wochenzeitungen (Zeitschriften / Magazinen) grundsätzlich auch noch gut. Die Betonung liegt allerdings auf “noch”.

Auftritt: das iPad.

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falkemedia hat einen schönen Start auf dem iPad hingelegt. Daumen hoch für die Gestaltungsmetaphern. Zwei Daumen hoch für das Thema und die Ansprache. Drei Daumen für die saubere Umsetzung. Wen stört es da schon, dass es kein abgefahrenes Zukunftskonzept ist, sondern “nur” sauber das aktuell Bekannte umsetzt?

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Ich und die Anderen

16. Mai 2010

Ein Thema auf der Lift-Konferenz dieses Jahr war “Privatsphäre”. Seit der Konferenz geht mir das Thema immer wieder im Kopf herum. Einerseits, weil es wesentlich tiefer geht als ich dachte. Andererseits, weil man aktuell von allen Seiten damit förmlich bombardiert wird. Insbesondere Mark Zuckerberg hört nicht auf kontroverse Sätze in die Welt zu setzen:

“You have one identity… The days of you having a different image for your work friends or co-workers and for the other people you know are probably coming to an end pretty quickly… Having two identities for yourself is an example of a lack of integrity” – Zuckerberg, 2009

Falscher Ansatz, Zuck. Ich bin nur eine Person, aber ich bin gleichzeitig folgende Personas (Auszugsweise):

Das hat nichts mit mangelnder Integrität zu tun. Noch nicht einmal etwas mit privat und öffentlich, sondern mit unterschiedlichen Personenkreisen und Interessensgebieten. Ich spreche mit meinen Kollegen anders, als mit Kunden. Ich spreche mit Kunden anders, als mit meinen Eltern. Ich spreche mit meinen Eltern anders, als mit meinen Freunden und so weiter. Und trotzdem bin alles ich.

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