Communityhubs Revisited
1. Mai 2010
In “Community Management 2010” habe ich ausschließlich darüber gesprochen, was alles in einen Communityhub (bzw. das als Communityhub bezeichnete Gedankenkonstrukt) hineinfließen könnte. Doch es kann 2010 genauso wichtig werden, wie dieser Hub Datenstrom wieder verteilt.
Keine Plattform, sondern eine Dienstleistung
Wenn ich schreibe “Die Mitglieder der Community greifen auf den Hub zu”, so meine ich das möglichst unabhängig von Technologien. Halten wir uns noch einmal das Ziel vor Augen:
Ein Communityhub soll einer Gruppe von Menschen mit einem gemeinsamen Interesse einen zentralen Überblick bieten, wo gerade dazu Informationen finden können bzw. wo gerade ein Dialog dazu statt findet. Idealerweise vereinfacht ihnen der Hub die Teilnahme an dem Dialog so weit wie möglich.
Dazu haben wir uns im ersten Schritt von der Vorstellung der einzelnen, verstreuten Communities gelöst, die auf verschiedenen Plattformen miteinander agieren. Statt dessen stellt der Communityhub eine Art Metacommunity dar, welche alle verteilten Plattformen aggregiert und alle Mitglieder miteinander verbindet.
Wenn man einmal diesen Schritt gegangen ist die Teilnehmer von den Community-Plattformen unabhängig zu machen, dann erscheint es unsinnig hier stehen zu bleiben. Statt dessen sollte man darauf hinarbeiten sie ebenfalls von der Form der Nutzung unabhängig zu machen. Also weg von der ”Plattform Communityhub”, hin zu einer “Dienstleistung Communityhub”.
Was ist damit gemeint?
Teilnehmer einer Community können grundsätzlich sehr verschieden sein – das zeigt sich ja auch durch die Existenz von oftmals vielen unterschiedlichen Community-Plattformen zu ein und demselben Thema. Ist nicht davon auszugehen, dass diese unterschiedlichen Menschen auch Technologien und Informationskanäle unterschiedlich nutzen?
Beispiele für solche Technologien bzw. Informationskanäle wären:
- Webbrowser
- Feeds
- Mobile Browser auf Handys
- Applikationen auf Smartphones (iPhone, Android, etc.)
- SMS / MMS
Wieso genau sollte sich ein Communityhub auf eine dieser Technologien beschränken?
Keine Plattform, sondern ein Protokoll
Der Zugriff auf den Hub sollte offen sein – die Mitglieder der Community sollten bestimmen, wann, wie und wo sie die Informationen aus dem Hub ziehen. Entwicklern gibt dies die Möglichkeit die Informationen in ihre Anwendungen zu integrieren oder neue Anwendungsszenarien zu entwickeln. Hier einige Beispiele:
- Der Nutzer kann den Hubs bzw. bestimmter Themengebiete in einen RSS Feedreader abonnieren. Anstatt 10 Newsquellen über das Thema zu abonnieren genügt der Feed des Hubs (der die Aggregation der Informationen übernimmt).
- Die Informationen können wieder in Social Networks zurückgeführt werden, beispielsweise in eine Facebook-Page. Nutzer des Social Networks bekommen alle weiteren Quellen direkt in ihre bevorzugte Plattform.
- Ein Nutzer kann über Google Alerts (oder vergleichbar) den Stream nach bestimmten Keywords durchsuchen lassen. Artikel werden direkt per Mail versendet.
- Entwickler können die Hubinformationen direkt in ihre Tools übernehmen, beispielsweise iPhone-, Android-Apps etc.
Der Hub wird mehr zu einem Protokoll anstatt zu einer Plattform. Vergleichen lässt sich das wohl am Besten mit Twitter. Twitter.com ist zwar auch eine Plattform, aber Twitter im eigentlichen Sinne ist durch seine Offenheit eher ein Protokoll, das definiert wie die vielen Clients untereinander Nachrichten austauschen. Welcher Client von einem Nutzer verwendet wird ist für Twitter zweitrangig.
Die spannende Frage ist, wie man in solchen Konstrukten einen einfach zu nutzenden und dem Medium entsprechenden Rückkanal integriert. Dies vorausgesetzt könnten plötzlich Leute per Email auf Posts innerhalb von Facebook antworten und beide Posts schließlich in dem YouTube-Video als Kommentar landen, auf den sie sich ursprünglich bezogen. Eine Plattform unabhängige Cloud-Community sozusagen.
Reality Check
In einer Zeit, in der Content durch Like-Buttons, Feeds, Google News, Social Bookmarking-Dienste und so weiter wild durch die Gegend getragen wird: lohnt es sich wirklich an der eigenen Plattform festzuhalten? Natürlich schweben über diesem Thema immer die Content-Fragen: “Wem gehört der Content?” und ”Wer darf wie durch diesen Content verdienen?”. Ich will gar nicht so tun als hätte ich eine Antwort auf diese Fragen. Die vielen Meinungen zu diesen Themen reichen von “Mein Content gehört mir und alle anderen dürfen ihn nur gemäß meinen Vorstellungen konsumieren” über “Content gehört zwar dir, aber ich darf mit ihm machen, was ich will” bis hin zu “Content muss frei sein”. Selbst bei der Frage, was Content heutzutage nun eigentlich wert ist scheint man sich nicht einigen zu können.
In diesem Licht betrachtet entspricht das Konzept einen so offenen Community-Hubs zwar dem Zeitgeist, aber es ist fraglich, ob er wirklich in dieser Form umsetzbar ist.

3. Mai 2010 um 16:03
Sehr guter Erweiterungsansatz für das von dir Anfang des Jahres vorgestellte Konzept. Etwas ähnliches (stärker aus technologischer Sicht) hat Anil Dash unter dem Stichwort “Pushbutton Web” skizziert:
http://dashes.com/anil/2009/07/the-pushbutton-web-realtime-becomes-real.html
Viele Grüße
Daniel
16. Juni 2010 um 14:36
Ein schöner Artikel, den ich mir besonders “gerahmt” habe. Ich freu mich, das Patchwork, das ich betreibe nun unter dem Begriff des Communityhubs geadelt zu finden.
Von der Konzeption her stimme ich vollkommen überein. Die technische Umsetzung stell ich mit allerdings als nicht trivial vor. Je mehr Quellen miteinander verknüpft werden, desto größer der Anspruch an die Integrität der Daten.
Ich versuche zB grade einen Feed von Blogger einzubinden. Darin sind die absurdesten HTML Tags enthalten. Und sowas kommt von Google! Aber auch Twitter macht Probleme, Hashstags mit deutschen Umlauten.
Nun, wer ein entsprechendes Budget hat, wird das sicher bewältigen.
Grüsse
Stefan
2. Januar 2011 um 09:36
[...] Januar gab ich (m)einen Ausblick auf Community Management 2010. Dieser Ausblick wurde im Mai erweitert und es freut mich, dass der Ansatz Ende November bestätigt wurde. Die Idee der Communityhubs [...]