iPad-Magazine angetestet: Der Spiegel
14. Juni 2010
Die Applikation von “Der Spiegel” ist kostenlos im App Store erhältlich. Im Grunde handelt es sich dabei um eine Plattform, um die einzelnen Ausgaben des Spiegel-Magazins herunterzuladen und zu lesen. Eine Ausgabe des Spiegels (in meinem Fall Ausgabe 21/2010) konnte kostenlos heruntergeladen werden. Für weitere Ausgaben muss man sich allerdings zunächst bei “Mein Spiegel” registrieren, der hauseigenen Plattform des Verlags. Anschließend kann man sich die einzelnen Ausgaben für je 3,99€ herunterladen. Damit liegt die iPad-Ausgabe 19 Cent über dem Preis der Print-Ausgabe.

In der Übersicht sieht man zunächst alle Ausgaben von 2010. Der erste Impuls war nach allen Artikeln über den ehemaligen Bundespräsidenten Horst Köhler zu suchen – vergeblich: Die App bietet nicht keine Volltextsuche über Ausgaben hinweg. Es ist also nicht möglich nach einem Thema oder einem bestimmten Artikel in seiner Sammlung zu suchen, sondern es muss, wie im Moment mit den Printausgaben auch, jede Ausgabe einzeln durchgeblättert werden. Warum eigentlich? Im Web funktioniert das doch auch.
Noch schlimmer: die App bietet noch nicht einmal eine Suche innerhalb eines Heftes an. Statt dessen bekomme ich gleich 2 Arten im Heft zu navigieren: einmal eine horizontale Laufleiste mit Bildern und ein Dropdown mit den Überschriften. Wozu die Dopplung?

Das Layout der Artikel selbst ist etwas merkwürdig. Der Wechsel zwischen horizontaler und vertikaler Ausrichtung des iPad macht dem Layout Probleme und über den Gesamteindruck kann man trefflich streiten. Ich persönlich finde den Aufbau unnötig starr, trotz des Versuchs den Text dynamisch laufen zu lassen. Das iPad ist einfach nicht dafür gemacht Print-Layouts 1:1 zu übernehmen und der Versuch wirkt auch hier merkwürdig – mal verschwenderisch, mal eingeengt.

Spezielle Inhalte wie Videos und Slideshows werden mit einem “Play”-Button markiert. Dazu öffnet sich jeweils die entsprechende iPad App zur Anzeige im Vollbild-Modus. Alle Bilder lassen sich vergrößern. Ganz werbefrei ist die iPad-Ausgabe übrigens nicht. Die Werbung selbst beschränkt sich auf simple, bildschirmfüllende Bilder zwischen den Artikeln.
Der Text in den Artikeln kann nicht markiert bzw. kopiert werden. Links oder Share-Funktionalitäten werden selbst nicht angeboten. Damit ist die App ungefähr so verschlossen wie die Printausgabe, der sie so sehr nacheifert. Wieso eigentlich diese Verschlossenheit? Eigentlich will ich nur meinem Freundeskreis einzelne Artikel empfehlen.
An dieser Stelle bin ich mir schon nicht sicher, wieso ich jeweils für 3,99€ die einzelnen Ausgaben herunterladen soll. Spiegel Online ist auf dem iPad gut les- und benutzbar, bietet aktuellere Inhalte und eine Volltextsuche. Ich kann kommentieren, Bookmarks setzen und Inhalte in Social Networks teilen. Bilderstrecken und Videos (über Spiegel TV) gibt es ebenfalls. Kurz: in seiner aktuellen Form ist Spiegel Online der iPad-Anwendung meiner Meinung nach weit voraus.
Natürlich muss ich für eine Webseite online sein. Aber mir stellt sich da die Frage: muss ich, nur weil ich ein digitales Magazin offline lesen kann, gleich auf jeglichen Komfort verzichten, den mir das Web sonst bietet? Das kann es irgendwie nicht sein.
Mein Fazit: Der digitale Spiegel ist nett. Er ist nur nicht besonders digital. Viel eher ist er die Printausgabe zum mitnehmen. Das ist an sich ganz gut, aber es bleibt ein schaler Nachgeschmack, ob digitale Magazine nicht mehr sein sollten als das.

15. Juni 2010 um 09:58
Ist das überhaupt Text?
15. Juni 2010 um 21:50
Gute Frage. Immerhin gibt es 2 Textgrößen zur Auswahl und der Text fließt entsprechend. Es könnten zwar, wie bei der Wired-App 2 Sets von Bildern sein, aber die Ausgaben sind wesentlich kleiner als Wired. In so fern vermute ich, dass es wirklich Text ist.
16. Juni 2010 um 08:00
[...] andere Grund ist, dass auch hier (wie auch bei der Spiegel App) die eigene Webseite einfach mehr Möglichkeiten bietet. Texte lassen sich von oben nach unten ohne [...]