iPad-Magazine angetestet: Focus Online
16. Juni 2010
Die Applikation “Focus Online” ist kostenlos im App Store erhältlich. Sie ist mit 1.6 MB erfreulich klein, was aber auch nicht verwunderlich ist, da die App keinen eigentlichen Inhalt enthält, sondern Artikel, Bilder und Videos direkt online lädt. Rechts oben in der App sieht man jeweils den Zeitpunkt des letzten Updates.

Der Inhalt ist aufgeteilt in vier Bereiche. Im Landscape-Modus ist oben eine Leiste mit den aktuellsten Nachrichten (scrollt horizontal), in der Mitte links ein Headliner in groß und 4 kleine, rechts die Nachrichten nach Ressorts untereinander (scrollt horizontal) und unten eine Videoleiste (scrollt horizontal). Ganz unten links noch einmal ein Button zu einem Inhaltsverzeichnis. Im Portrait-Modus sind die Headliner oben über die gesamte Breite gezogen. Die Ressorts und Videos teilen sich den Platz darunter.
Die Artikel selbst sind im Landscape-Modus dreispaltig angeordnet und scrollen ebenfalls horizontal, was sich sehr merkwürdig anfühlt. Anstatt eines vertikalen Leseflusses (wie im Web oder im Print) liest man hier von links nach recht in kleinen Häppchen vor sich hin. Sehr verwirrend. Im Portrait-Modus gibt es nur zwei Spalten, die jeweils horizontal scrollen. Also eher klassisch Print statt Web.

Tippt man auf den Text kann man den Text vergrößern oder verkleinern, sowie einen Link per Twitter, Facebook oder Mail versenden (siehe blauer Kasten in oberem Screenshot). Es öffnet sich entsprechend der Browser bzw. sogar bevorzugte Apps. In meinem Fall also Twitterrific für den Twitter-Link.

Der Link zeigt jeweils auf den Artikel auf der Webseite von Focus Online. Nett gemacht, aber bei der Gelegenheit fällt mir auf, dass die Webseite Focus Online wesentlich besser aussieht, als die iPad App. Das liegt zum Beispiel daran, dass die Typo in der App stellenweise unscharf ist – entweder verwendet die App teilweise Bilder statt Text oder die Entwickler haben die Darstellung der Fonts auf dem iPad unterschätzt. Folgender Screen ist in aus einem Screenshot in Originalgröße.

Der andere Grund ist, dass auch hier (wie auch bei der Spiegel App) die eigene Webseite einfach mehr Möglichkeiten bietet. Texte lassen sich von oben nach unten ohne Unterbrechung lesen. Im Gegensatz zur App bietet das Web eine Volltextsuche (was genau ist eigentlich so schwer daran eine Suche in eine App zu integrieren?). Texte lassen sich markieren und kopieren (und damit in Links zurück auf den Artikel als Zitate nutzen).
Mein Fazit: Das Konzept der Focus Applikation, Webinhalte in eine digitale Version eines Printdesigns zu zwängen, verstehe ich nicht ganz. Da ich so wie so online sein muss, um die App zu benutzen, verstehe ich erst recht nicht, wozu ich die App eigentlich brauche. Alles, was mir die App bietet, kann die Webseite deutlich besser.

2. Januar 2011 um 09:37
[...] nur Theorie. Im Juni kam dann die Gewissheit über digitales Publishing auf dem iPad: das meiste saugt. Es stellt sich wieder einmal heraus, dass neue Kanäle auch neue Konzepte benötigen: in der [...]