Internet und Technik, WS2011
5. April 2011
Anfang letzten Jahres wurde ich überraschend gefragt, ob ich nicht Lust hätte im kommenden Wintersemester 2010/2011 den einen Kurs “Internet und Technik” an der Hochschule Darmstadt, Fachbereich Online-Journalismus zu halten.
Na klar, wieso auch nicht? Wird bestimmt lustig. Und da ich zu der Zeit gerade für die Firma an einer Online-Lernplattform arbeitete, hielt ich das außerdem für eine gute Gelegenheit Erfahrungen aus erster Hand zu sammeln.
Die Vorlesung
Der Kurs “Internet und Technik” ist Teil des Grundstudiums bei den Online-Journalisten und findet im ersten Semester statt. In der Vorlesung geht es einerseits um Online-Werkzeuge für Journalisten: Webseiten, Dienste, Plattformen und so weiter. Andererseits geht es um die Technik des Internets an sich: Netzwerke, Server, Dateiformate, Protokolle. Zusammengefasst: 50% surfen und 50% technisches Zeug lernen.
Die Inhalte der Vorlesung waren in Form einer Checkliste mit Themen bereits vorgegeben. Außerdem gab es für den Internet-Teil bereits ein Skript und für den Technik-Teil waren Folien vorhanden, die in Stichpunkten jeweils die nötigen Inhalte beschrieben. Im Endeffekt ging es also nur um das Vergnügen eine Vorlesung zu halten, ohne die anstrengende Aufgabe erst Themen und Inhalte auszudefinieren.
Jetzt, nachdem das Semester vorbei ist, kann ich sagen: “Been there, done that, got the T-Shirt”. Oder vielmehr: “Ich war da und habe jetzt einen Haufen Folien und Notizen herumliegen”. Ganz so einfach, wie in meiner naiven Vorstellung, war es dann doch nicht, aber es war auf jeden Fall eine schöne Sache.
Was gut lief
- Alle aus meinem Kurs haben etwas gelernt und, ganz ohne auf meiner Seite schummeln zu müssen, meinen Teil der Klausur bestanden. Aus Sicht der Studenten und des Fachbereichs war die Vorlesung also erfolgreich.
- Für den Technik-Teil konnten wir uns nach einigen Versuchen auf ein Unterrichtsformat einigen, das bei allen funktioniert hat: kurze, erklärende Folien, die Schrittweise durch einen Ablauf oder einen Sachverhalt führen. Dazu jeweils auf der Tonspur die Erklärung im Detail. Diese Form von stark narrativer Präsentation hatte ich so noch nie probiert und fand es spannend sie auszuprobieren.
- Die letzte Viertelstunde jeder Vorlesung hat sich mit der Zeit zu einer (mal mehr mal weniger) interessanten Diskussionsrunde über aktuelle Themen und Trends entwickelt.
- Es hat mir tatsächlich Spaß gemacht.
Was nicht so gut lief
- Wie fast zu erwarten hatte ich nicht immer Zeit mich optimal vorzubereiten. Ich schätze das Problem haben so gut wie alle Lehrbeauftragte, die hauptberuflich eigentlich etwas anderes machen. Manchmal kommt einem dann doch die Arbeit in den Weg.
- Das Nutzen von Folien, die andere erstellt haben, ging bei mir gnadenlos in die Hose. Auch wenn alle nötigen Inhalte vorhanden waren, hatte ich keinen Halt, um sinnvoll durch die Folien durchzuführen. Quasi reine Fakten ohne eine verbindende Geschichte. Schließlich habe ich doch mein eigenes Set von Folien gemacht – was zwar mehr Aufwand war, sich aber gelohnt hat.
- Das spielerische Aufbereiten des Internet-Teils in Form einer Webseite zur Selbstüberprüfung hat nicht funktioniert und wurde nicht angenommen. Merke: Wenn du schon ein Werkzeug anbietest, dann wenigstens eins, das auch wirklich gebraucht wird.
- Bei praktischen Vorführungen geht immer was schief, egal wie gut deine Vorbereitung ist. Aber das war nichts neues. Der einzig sichere Weg für so was sind wohl Videos. Lokal auf dem Rechner. Mit verfügbarem Ersatzrechner.
(Für mich) Unerwartetes
- Während der Durchsicht der Klausur ergaben sich immer wieder Muster: Durch gewählte Stichworte konnte man zum Beispiel leicht sehen, wer in welchen Lerngruppen gearbeitet hat. Oder wer anhand des ursprünglichen Skripts gelernt und wer eine Mitschrift benutzt hat. Das liegt eigentlich auf der Hand, aber für mich war es interessant mal ein Satz von Daten zu bekommen, der nicht aus einem Log oder einem Analysewerkzeug kommt.
- Der Weg von Frankfurt nach Dieburg nervt mehr als gedacht.
Fazit
Es war eine schöne Erfahrung und ich habe viel dabei gelernt. Nur noch einmal machen würde ich es nicht. Zumindest nicht die gleiche Vorlesung – ab jetzt wäre das nur noch Wiederholen. Ob mich eine andere Vorlesung reizen würde weiß ich nicht. Wenn, dann wahrscheinlich eine Vorlesungsreihe, welche die Studenten über mehrere Semester hinweg begleitet und man gemeinsam wachsen kann. Aber ob es so Konzepte in Zeiten des Bachelors noch gibt ist eher fraglich. Eventuell wäre es auch lustig die ganzen Erfahrungen in ein Schulungsprogramm zu gießen. Und dann gibt es da noch diese anfangs erwähnte Lernplattform, langweilig wird mir also bestimmt nicht.

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