Der Schrecken der Buchhändler
7. Oktober 2010
Das habe ich davon, dass ich mich mit Journalisten treffe: ich werde zum Überbringer schlechter Nachrichten.
Um meine Aussagen in dem Artikel etwas auszuführen: ich sage nicht, dass die Buchbranche insgesamt untergehen wird. Verlage, Verlagshäuser und Vertriebe wird es weiter geben. Aber wie es nun einmal so ist: es sind interessante Zeiten und jeder muss sich den stetig wechselnden Begebenheiten anpassen.
Vereinfacht gesagt haben Verlage in etwa folgende Aufgabe: sie suchen Lieferanten von Inhalten aus Literatur, Kunst, Musik oder Wissenschaft (aka Autoren). Deren Werke vervielfältigen sie und verbreiten die Kopien. Anschließend sorgen sie noch dafür, dass möglichst jeder Interessent von der Existenz des Werkes erfährt.
Nun ist es so: früher kostete das alles eine Menge Geld. Sehr viel Geld. Mehr Geld, als die Autoren üblicherweise aufbringen konnten. Das ist heute im Begriff wesentlich einfacher und kostengünstiger zu werden. Einerseits durch komplett neue Kanäle, wie das WWW oder eben Tablets, aber auch durch Print on Demand-Angebote verschiedener Dienstleister. Autoren haben also inzwischen die Wahl, wie sie ihre Inhalte verbreiten wollen und sind nicht automatisch an Verlage gebunden.
Abos auf dem iPad
6. August 2010
Aktuell ist vielfach zu hören, dass Verleger Probleme damit hätten, ihr Abo-Modell auf das iPad zu bringen. Ich persönlich bin hier nicht sicher, ob die Verleger von ihren Digitalagenturen einfach nur falsch beraten wurden, oder ob sie selbst völlig falsche Vorstellungen von Apple und seinem Ökosystem haben.
Das Apple Ökosystem
iTunes steht im Zentrum von Apples mobilem Ökosystem. Apple hat immer klar gemacht, dass ihre mobilen Geräten (aktuell iPhone, iPods und iPad) nur optimal in Verbindung mit iTunes funktionieren. iTunes ist nötig, um das Gerät zu aktivieren und um Daten bzw. Inhalte auf das Gerät zu übertragen.
Der iTunes Store (bzw. App Store) ist die integrierte Lösung von Apple Inhalte für deren mobile Geräte zu erwerben. iTunes, sowie alle Geräte selbst, greifen dazu auf den iTunes Store zu. Apple ermöglicht Anbietern von Inhalten ihre Produkte im Store anzubieten – sofern diese den Bestimmungen von Apple entsprechen. Apple übernimmt dabei die Bereitstellung, Verbreitung und Abrechnung, fordert dafür allerdings 30% der Umsätze als Revenue Share.
Apple ist sehr daran interessiert, diesen Vertriebsweg auf ihre Geräte zu kontrollieren. Wenn es nach Apple geht ist der iTunes Store die einzige Möglichkeit (kommerzielle) Inhalte auf ihre Geräte zu bringen. Wie rigoros sie diese Absicht verteidigen zeigt der Ausschluss von Flash. Es geht nicht nur um Performance oder Batterielaufzeit – es geht auch um die Möglichkeit Anwendungen am iTunes Store vorbei auf den Geräten zu nutzen.
Ebenso ist Apple daran interessiert, dass jeder Bezahlprozess, auch die innerhalb einer nativen Anwendung, über den iTunes Store abgerechnet wird. Abgesehen von den 30% Revenue Share behält Apple dadurch die Kontrolle über den Verkaufskanal.
Manchmal braucht es keine App
22. Juni 2010
“Wieso glauben so viele, dass sich Entwicklung für das #iPad nur auf Apps reduziert? Eine angepasste Webseite / Webapp ist oft besser.”
Dieser Tweet bringt auf den Punkt, was ich zunehmend denke. Und eigentlich gilt selbiges auch für das iPhone und den iPod Touch. Insbesondere die ganzen digitalen Magazine auf dem iPad haben mich in letzter Zeit immer wieder fragen lassen: “Wieso ist das eigentlich eine native App?”
Focus Online und Die Welt zeigen so wie so fast 1:1 den Inhalt, den man auch auf ihren Webseiten findet und funktionieren nur vollständig, wenn man auch online ist. Der Spiegel, iKiosk, das BMW Magazin und Schnelle Küche zeigen mehr oder weniger dynamische Screenshots und manchmal auch ein Video, die man sich immerhin auch offline anschauen kann. brand eins ist das einzige Magazin, dass seinen Inhalt ein bisschen aufbereitet (Lesemodus) und (oh Wunder) verfügt als einziges Magazin über eine Volltext-Suche. Nur bei Spiegel und Welt kann man Content-Hilfen des iPad vernünftig benutzen (Voice-Over etc.). Bei keinem (!) kann man Text einfach markieren. Die Möglichkeiten Inhalte digital zu empfehlen sind eingeschränkt: viele bieten Email-Versand, manche immerhin Twitter und Facebook – alles andere ist außen vor. Lesezeichen sind leider auch nicht die Regel.

