Bing, Kontext und meine Diplomarbeit
20. Juni 2010
Ich hatte gerade einen Flashback: Das Interview von Appstory mit Stefan Weitz, dem “Director of Bing” (ein großartiger Titel btw.), erinnert mich gerade stark an meine Diplomarbeit.
Der Titel meiner Diplomarbeit war: “Erörterung von Ansätzen für kontextbasierte, speziell ortsbasierte, Erweiterungen von Informationssystemen, veranschaulicht durch einen Prototypen“. Und nein, der Titel war nicht von mir, nur das Thema.
Damals arbeitete ich beim Zentrum für grafische Datenverarbeitung in Darmstadt (das inzwischen in das IGD aufgegangen ist) an kontextsensitiven Informationssystemen und 2004 nahm ich einfach den ganzen F&E-Kram und strickte daraus eine Diplomarbeit.
Im Grunde ging es um genau das, worüber Stefan Weitz spricht: automatisiertes Erweitern von Suchanfragen an Informationssysteme durch den Kontext, in dem sich der Benutzer gerade befindet. Interessant dabei ist mein damaliges Fazit:
Meiner Meinung nach werden diese Ansätze in Zukunft, vor allem bei geschlossenen Informationssystemen, eine große Rolle spielen. Die Einarbeitungszeit wird aufgrund der erwähnten Erweiterungen sinken, so dass die Benutzer schneller den Umgang mit den Informationssystemen erlernen können.
Bei offenen, allgemein zugänglichen Informationssystemen hingegen denke ich nicht, dass sich kontextbasierte Erweiterungen durchsetzen können. Die Probleme mit Datenschutz, der große Aufwand der Grundinitialisierung und das Problem der benötigten spezialisierten Geräte – all dies entspricht nicht dem Bild eines einfach zu benutzenden, unproblematischen Informationssystems.
Und nun, sechs Jahre später, sind zwei dieser damals angesprochenen Probleme gelöst. Die “Grundinitialisierung” seines personalisierten Informationssystems hat im Grunde jeder mit dem Erstellen seines Google- oder MSN-Accounts hinter sich und die “spezialisierten Geräte” haben wir alle in Form unserer Mobiltelefone immer bei uns.
Bleibt noch der Datenschutz. Haben wir hier eine Lösung oder ist es uns inzwischen einfach egal? Und wie werden wir das alles in weiteren sechs Jahren betrachten?
Auf dem Webmontag Frankfurt durfte ich Anfang der Woche einen Vortrag halten mit dem Titel: “Von Print zu Digital: Realität, Trends und wilde Fantasien”. Da meine Präsentation diesmal nur einer Reihe von bunten Stimmungsbildern bestand, werde ich sie nicht auf Slideshare hochladen. Statt dessen gibt es diesen Artikel, um den Inhalt festzuhalten.
Von Print zu Digital
“Jeder Verleger sollte sich einmal am Tag hinsetzen, beten und Steve Jobs dafür danken, dass er mit diesem Gerät die Verlagsindustrie rettet.” Dies sagte Anfang April Axel Springers Vorstandschef Mathias Döpfner in der Talkshow von Charlie Rose. Wie kommt Herr Döpfner zu diesem Ausspruch?
Die Erklärung findet sich beispielsweise in einem Beitrag der ARD Tagesschau, die folgendes über die Situation von Zeitungsverlagen 2009 schreibt:
- “Zwischen Januar und Mai brach das Anzeigenvolumen im Vergleich zum Vorjahr um 12,4 Prozent ein. Mit einem Minus von 41,1 Prozent fiel das Minus bei den Stellenanzeigen am drastischsten aus.”
- “Die Gesamtauflage der Zeitungen ging erneut zurück. Sie lag im ersten Quartal mit rund 25,4 Millionen Exemplaren 2,1 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor. Der stärkste Rückgang traf die Boulevardzeitungen mit einem Minus von rund 5,3 Prozent.”
- “Gegen den Trend verbuchten die Wochenzeitungen sogar ein Plus von 1,5 Prozent.”
- “Auch die Online-Angebote der Verlage verzeichneten laut BDZV Zuwachsraten. 17,3 Millionen Internet-Nutzer in Deutschland besuchen demnach regelmäßig Webseiten von Zeitungen. Ein Jahr zuvor waren es den Angaben zufolge noch 15,5 Millionen.”
Im Augenblick beobachten also insbesondere Verlage von Tageszeitungen eine Bewegung in Richtung Online. Das ist wenig verwunderlich, denn das Web ist auf Grund seiner Natur im Bereich Nachrichten immer schneller und aktueller als jede Tageszeitung. Das Argument der mangelnden Authentizität von Nachrichten im Internet greift nicht wirklich, denn auch “traditionelle” Redaktionen können ihre Artikel direkt nach Fertigstellung online stellen, anstatt bis zum Druck einer Zeitung “liegen und altern” zu lassen. Wenn Aktualität tatsächlich das höchste Gut einer Tageszeitung sein sollte, dann ist es kein Wunder, dass diese in Schwierigkeiten sind.
Reflektierte Nachrichten hingegen scheinen nach wie vor noch zu funktionieren. Wenn jemand eine Woche Nachrichten zu einem Thema sammelt, anschließend zusammenfasst, kommentiert oder interpretiert, dann ist es egal, ob dieser Artikel im Web oder in einer Wochenzeitung veröffentlicht wird. Es besteht kein Zeitdruck mehr. Gleiches gilt für recherchierte Themen. Entsprechend geht es Wochenzeitungen (Zeitschriften / Magazinen) grundsätzlich auch noch gut. Die Betonung liegt allerdings auf “noch”.
Auftritt: das iPad.
Communityhubs Revisited
1. Mai 2010
In “Community Management 2010” habe ich ausschließlich darüber gesprochen, was alles in einen Communityhub (bzw. das als Communityhub bezeichnete Gedankenkonstrukt) hineinfließen könnte. Doch es kann 2010 genauso wichtig werden, wie dieser Hub Datenstrom wieder verteilt.
Keine Plattform, sondern eine Dienstleistung
Wenn ich schreibe “Die Mitglieder der Community greifen auf den Hub zu”, so meine ich das möglichst unabhängig von Technologien. Halten wir uns noch einmal das Ziel vor Augen:
Ein Communityhub soll einer Gruppe von Menschen mit einem gemeinsamen Interesse einen zentralen Überblick bieten, wo gerade dazu Informationen finden können bzw. wo gerade ein Dialog dazu statt findet. Idealerweise vereinfacht ihnen der Hub die Teilnahme an dem Dialog so weit wie möglich.
Dazu haben wir uns im ersten Schritt von der Vorstellung der einzelnen, verstreuten Communities gelöst, die auf verschiedenen Plattformen miteinander agieren. Statt dessen stellt der Communityhub eine Art Metacommunity dar, welche alle verteilten Plattformen aggregiert und alle Mitglieder miteinander verbindet.
Wenn man einmal diesen Schritt gegangen ist die Teilnehmer von den Community-Plattformen unabhängig zu machen, dann erscheint es unsinnig hier stehen zu bleiben. Statt dessen sollte man darauf hinarbeiten sie ebenfalls von der Form der Nutzung unabhängig zu machen. Also weg von der ”Plattform Communityhub”, hin zu einer “Dienstleistung Communityhub”. Den Rest des Beitrags lesen »
