Marke Eigenbau
2. Februar 2009
“Marke Eigenbau” ist ein gutes Buch, denn es hat mich zum nachdenken gebracht. Das Lesen selbst war allerdings ein sehr gemischtes Erlebnis. Der Inhalt wechselte von “scharf beobachtet” insbesondere im ersten Drittel des Buches andauernd zu “sträflich naiv” oder zumindest “unnötig polemisch”. Wie anders sollte man solche Passagen einschätzen?
“Die industrielle Massenproduktion aber wird, um es mit Michel Faucault zu sagen. eines Tages verschwinden wie am Meeresufer ein Gesicht im Sand.”
Ja, da wäre es schon interessant gewesen mehr darüber zu erfahren, was genau denn global und vor allem flächen- und produktdeckend die industrielle Massenproduktion ablösen soll. Und vor allem: wie? Aber ok.
Ich gehe auch nicht darauf ein, dass die schöne neue Industrieordnung der Autoren auf dem Prinzip eines mündigen Konsumenten setzt, aber vielleicht bin ich da nur von Cialdini und den beiden Brafmans geschädigt.
Dazu kommt, dass die Autoren sich wohl nicht ganz einig sind, was denn nun “Marke” ist: Sind das Logos, ist es die “Corporate Identity”, bestehend aus Briefpapier, Schrift und anderen optischen Merkmalen, oder ist eine Marke die Sichtweise der Kunden auf ein Produkt oder Unternehmen? Manchmal hatte ich beim Lesen das Gefühl, dass man auf biegen und brechen klassische Marken als “falsch” und die Marke Eigenbau als “neu, toll und ganz anders” darstellen will.
Nun, meiner Meinung ist Marke kein Selbstzweck, eine Marke ist ein Mittel zum Zweck, um die Ertragskraft einer Firma nachhaltig sicherzustellen. Will sagen: eine Marke ist eine Art (hoffentlich positives) Vorurteil einem Unternehmen oder Produkt gegenüber. Es ist das Vertrauen in Coca Cola eine Flasche zu öffnen und sie anzusetzen, mit der Gewissheit, dass der Inhalt nach Cola schmeckt. Es ist das Vertrauen ein Adidas-Laufschuh zu kaufen, im Vertrauen, dass er einen jahrelang über bequem Stock und Stein begleitet. Und es ist das Vertrauen in etsy wirklich nur handgemachte Ware von Privatpersonen anzubieten, mit der Gewissheit, dass die Kunden etwas “Marke Eigenbau” erstehen. Und genau da sind nunmal die “Eigenbau-Marken” eben genau das: Marken. Alles andere ist nur der (in der Tat teils übertriebene) Versuch das Vertrauen der Kunden zu erlangen und das “positive Vorurteil” gut wiedererkennbar zu etablieren. Wozu die Verrenkungen das Prinzip “Marke” so ambivalent darzustellen? Nur um zu suggerieren, dass die großen, altmodischen Marken “böse” sind und die neuen, frischen “gut”? Das hat die Eigenbau-Bewegung gar nicht nötig.
Ach ja, und “Google hat keine eigenen Inhalte, sondern arrangiert die Inhalte des Webs und stellt passende Werbung dazu“? Das ist so absurd, wie die Aussage: “Ein Mikroskop ist kein Produkt, sondern es fokussieren nur das, was wir sehen.” Und selbst diese Analogie ist dank der bunten Google-Produktpalette fernab der Suche nicht nötig.
Und dann wagen die Autoren gelegentlich doch noch einen Blick auf komplexere Produkte, die man nicht eben mal so in einem Ein-Mann/Frau-Betrieb herstellen kann. Zum Beispiel Autos. Putzig fand ich in dem Zusammenhang den Absatz: “Man würde an dieser Stelle gern auf größere Erfolge verweisen. Aber..” Ja, aber das geht leider nicht. Klar, dass die Autoren gerne auf Erfolge verweisen würden, die ihre These stützt. Schlecht nur, dass sie selbst zugeben, dass die TU-Darmstadt seit 12 Jahren an einem Prototypen ihres “alternativen Autos” bastelt und das Open Source Auto – wow! – immerhin schon einmal ein Lastenheft fertig hat.
So, und wenn das Buch denn wirklich so schlimm ist – wieso habe ich es dann gelesen? Weil es, wie am Anfang schon erwähnt, auch durchaus gute Passagen hat. Weil es ab und an sehr hintergründige und durchdenkenswerte Ansätze beschreibt. Weil es meinen Horizont erweitert und mich zum nachdenken gebracht hat. Und hey – was kann ein Buch mehr erreichen?
Made to Stick – Why Some Ideas Survive and Others Die
20. Dezember 2008
“Made to Stick” von Chip & Dan Heath setzt für mich da ein, wo “The Tipping Point” aufhört: bei der Frage, wie man die “Klebrigkeit” einer Idee bemessen und verbessern kann. Und dabei landen sie interessanterweise bei einer Anleitung, wie man die Prinzipien von “Influence” auf Texte und Nachrichten anwendet.
Durch das ganze Buch ziehen sich Beispiele und Anekdoten, die genau auseinander genommen und untersucht werden: von alten Sagen und Erzählungen über Urban Legends hin zu aktuellen Beispielen aus der Wirtschaft und Werbung. Daraus werden die eigenltichen Erkenntnisse abgeleitet, formuliert und in kleinen Übungen noch einmal deutlich gemacht. Heraus kommt ein Set von Regeln, wie man seine Ideen und Aussagen möglichst gut in Textform weitervermitteln kann.
Durch die eigenen Ableitungen der Regeln aus der Praxis fehlt jedoch leider etwas der wissenschaftliche Hintergrund. Studien und Referenzen finden sich im Buch wenige, aber hier kommt das oben erwähnte Buch “Influence” ins Spiel. Viele der Erkenntnisse, bei denen die Brüder letztendlich landen basieren auf genau den Prinzipien, die Robert Cialdini als Grundlage für erfolgreiches Überzeugen beschrieben hat. Es mag zwar wenig vertrauenserweckend wirken die eigentliche Grundlage für ein Buch aus einam anderen abzuleiten, aber mir reicht es, um den Inhalt für voll zu nehmen. Im Gegenteil: Ich war sehr überrascht, wie gut die beiden Bücher zusammenspielen.
Unter dem Strich fand ich das Buch sehr gut. Auch wenn es mir nicht so den Kick gegeben hat wie “The Back of the Napkin“, so steckt viel anwendbares Wissen in dem Buch. Gute Strukturierung des Inhalts und gut zu lesen. Daumen hoch.
Weihnachtsfeier, Wichtelgeschenke und Raptoren
13. Dezember 2008
Die ND/RF-Weihnachtsfeier war großartig. Entsprechend zermatscht bin ich heute, insbesondere, da ich meine Freundin heute morgen ohne viel Schlaf vom Bahnhof abgeholt habe.
Da dieses Jahr Wichteln angesagt war, hat jeder etwas mehr oder weniger individuelles von seinen Kollegen bzw. Kolleginnen bekommen. In meinem Fall: Bücher. Und zwar:

Einmal The Black Swan: The Impact of the Highly Improbable von Nassim Nicholas Taleb. Ein Buch über statistische Unsicherheiten, Unwahrscheinlichkeiten und Modelle, von denen wir uns gerne fehl leiten lassen. Spannend.
Das zweite Buch ist Flow in Azeroth: Eine Analyse von Spielerfahrungen in MMO(RP)Gs am Beispiel von World of Warcraft von Robert Seifert. Sehr cool! Ich bin gespannt in wie fern das Buch die Auswertungen von Dmitri Williams zu Everquest stützt bzw. ergänzt. Und wenn dann noch Erkenntnisse bezüglich Game Design und Flow aus dem Buch rüber kommen, dann werde ich so wie so für Wochen geflasht sein.
Ich habe leider (noch) nicht rausfinden können, wer mein Wichtelpate/in war, aber es hat ganze Arbeit geleistet – ich freue mich riesig!
Und zum Schluss noch eine Merkwürdigkeit: beim Einkaufen bin ich heute einem Velociroflcopersaurus über den Weg gelaufen!
