Reale Interaktion

21. Mai 2012

Im Moment fügen wir durch die Möglichkeiten unserer Smartphones, Tablets und anderer digitalen Spielzeuge weitere Schichten der Realität hinzu bzw. machen weitere Schichten sichtbar. Wir visualisieren, vertaggen und beschreiben die Welt um uns herum und ändern dadurch die Art, wie wir die Welt wahrnehmen.

Der nächste Schritt ist unweigerlich die Realität durch diese digitalen Schichten zu manipulieren. In diese Richtung geht ZeroN – Levitated Interaction Element vom MIT:

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Improv Everywhere macht seit Jahren soziale Experimente, und spielt im Grunde mit unserem Alltag. Ihre Experimente sind zumindest immer interessant, meistens aber auch eine praktische Vorführung von Playful Interaction. Speziell ihre MP3 Experimente sind im Grunde Massive Multiplayer Spiele, geleitet von einem Spielleiter via MP3:

Irgendwie spiegelt sich hier vieles wieder, was Gamification nutzt und ausmacht: Spieltrieb, Entdeckergeist, Begegnungen, Zusammenarbeit und Spaß. Kurz: eine Spielwiese zum Testen und Lernen.

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Der Launch von Spotify in Deutschland und vor allem die Begeisterung mit welcher der Service angenommen wurde zeigt im Grunde eins: Musik ist inzwischen ein Service geworden.

Ich kann nur für mich sprechen, aber mit sind physikalische Tonträger schon seit langem völlig egal. Meine CD-Sammlung, früher einmal heiß Geliebt, verstaubt seit Jahren vor sich hin. Sie ist damit den Weg der Kassetten und LPs gegangen, die im Keller der Eltern vor sich hinstauben. Im Gegensatz zu den beiden wurde die CD jedoch nicht von einem neueren, moderneren Tonträger abgelöst.

Ich meine damit nicht, dass meine Festplatt nun zu dem neuen Tonträger geworden ist. Um ehrlich zu sein: ja, ich habe ein paar MP3s auf meiner Platte, aber wenn Daten Staub ansetzen könnten, dann wäre dies der Fall.  Die CD wurde für mich abgelöst von einer Idee: gar keine Tonträger mehr zu besitzen und trotzdem Zugriff auf Musik zu haben. Nicht auf Titel oder Interpreten, sondern auf Musik allgemein. Alle Musik.

Im Grunde ist es das, was sich die Musikindustrie seit Jahren wünscht: mir gehört nichts mehr, ich kann nichts mehr weitergeben, alles ist unter der Kontrolle des Service-Providers. Nur dass die Musikindustrie selbst zu langsam war diesen Service anzubieten und neue Dienstleister eingesprungen sind. Und eigentlich ist mir das egal, wer das anbietet oder wer die Kontrolle hat, solange es mir diese Art von Zugriff auf Musik ermöglicht.

Das Gleiche gilt im Bereich Film und Video für den BBC-Player auf dem iPad. Video- und DVD-Sammlung? Staubfänger. Gebt mir einen Service, der mir eine möglichst große Auswahl an interessanten Inhalten bietet und ich bin dabei.

Spannend dabei ist die Frage, wie der Übergang von “mir gehört etwas (physikalisches)” zu “mir gehört nichts (physikalisches) mehr” stattfinden wird. Letztendlich ist das die Grundlage von allen Cloud-Diensten: man vertraut einem Dienstleister, dass diese Dienstleistung dauerhaft, stabil und im Einklang mit eigenen Interessen angeboten wird. Aber ich kann mir vorstellen, dass nicht alle sich für den Gedanken erwärmen können. Es wird spannend sein dies weiter zu beobachten. Aber es ist schön sich vorzustellen einmal von überall Zugriff auf alle Formen von Musik, Film, Wissen und überhaupt Ausdrücke von menschlicher Kreativität zu haben. Ist das nicht der Grund, weshalb wir das Internet so lieben?

 

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